Heimatverein hat endlich Heimat

Monatelang arbeiteten die Mitglieder an ihrem Domizil über der Grundschule. In allen Räumen finden sich Hinweise auf die Dorfgeschichte.

Den Heimatverein Markhausen gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. Die Mitglieder kümmern sich um die Dorfhistorie, pflanzen und ernten mit Grundschulkindern Kartoffeln, organisieren mit der Stadt Friesoythe die Kirmes „Markhüser Bisseken“, kümmern sich um die von ihnen restaurierte „Gehlenborgsche Scheune“ oder unternehmen gemeinsame Ausflüge. Der Verein ist fester Bestandteil des Dorflebens. Was bislang allerdings fehlte, war ein eigenes Domizil. Das hat sich nun geändert.

Der Heimatverein hat die alte Lehrerwohnung über der Grundschule von Grund auf saniert. Im April 2018 begannen die Heimatfreunde damit, die heruntergekommene Oberwohnung an der Schulstraße herzurichten. Wenige Monate und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit später kann sich das Ergebnis sehen lassen. Die Wohnung ist frisch renoviert, wirkt hell und freundlich und bietet dem Verein vor allem eins –Platz.

Mehrere Versammlungsräume, eine (noch nicht fertige) Küche, sanitäre Anlagen und ein Archivraum sind auf 120 Quadratmetern verteilt. Jeder Raum wirkt wie eine gute Stube oder Esszimmer und versprüht somit seinen ganz eigenen Charme. „Die Einrichtungen stammen allesamt hier aus dem Ort“, sagte Rita Lichtenstein vom Heimatverein, als sie gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Elisabeth Kösjan, Gerhard Gehlenborg, Josef Trenkamp und Günther Geuter die neuen Räumlichkeiten vorstellten. So findet sich beispielsweise das alte Büro von Schmied Herbert Weß in der Wohnung wieder. Es stammt aus dem Nachlass des im November 2017 verstorbenen Markhauser Handwerkers. Und auf dem Flur hängt zum Beispiel ein geschnitztes Holzbild, auf dem die St.-Johannes-Kirche zu sehen ist – ein Geschenk von Pfarrer Günther Aschern.

Groß, gemütlich, warm und überall finden sich alte Möbel und Erinnerungen aus Markhausen. So präsentiert sich die Oberwohnung heute. Doch es war ein langer Weg dahin. Bis Ende der 1970er-Jahre wurde die Wohnung von Familie Willenborg bewohnt. Nach dem Auszug stand die Wohnung leer und zerfiel mit der Zeit. 2009 wurden die stark sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten von der Stadt dem Heimatverein überlassen. Eine Strom- und Wasserversorgung gab es nicht. Der Verein scheute sich auch zunächst, dieses Mammutprojekt anzugehen. 2015 wurde die Wohnung dann von der Kommune notdürftig als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet. Eine Familie zog ein, aber auch recht schnell wieder aus. Im Frühjahr 2018 war es dann soweit: Der Heimatverein Markhausen begann mit der Komplettsanierung.

„Das war ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Alle Markhauser machten mit“, sagte Elisabeth Kösjan. Neue Leitungen wurden gelegt, gespachtelt, gestrichen und Boden verlegt. Jetzt ist die Oberwohnung in einem guten Zustand und der Heimatverein hat tatsächlich eine Heimat.

Was noch fehlt, ist eine Küche. Hier könnte die Spende der Spadaka-Stiftung helfen. Georg Glup vom Kuratorium der Stiftung, Spadaka-Vorstand Johannes Wilke und Filialleiter Christoph Untiedt überreichten einen Scheck in Höhe von 3000 Euro an den Heimatverein. „Wir sind uns alle einig, dass dieses Domizil eine tolle Sache ist“, sagte Wilke. Da die Förderung der Heimatpflege eines der Stiftungsziele sei, stelle man das Geld gerne zur Verfügung. Wilke freute sich besonders über das Archiv, dass nun immer weiter ausgebaut werden könne. „Ein Archiv ist wichtig, denn sonst geht vieles verloren. Und es zahlt sich für die nächsten Generationen aus“, so der Spadaka-Vorstand.

 

Text und Bild: Carsten Bickschlag, Nordwest-Zeitung

v.l. Georg Glup, Gerhard Gehlenborg, Elisabeth Kösjan, Günther Geuter, Josef Trenkamp, Rita Lichtenstein, Christoph Untiedt und Johannes Wilke.